Woerthersee_Architektur_Pension_Ria

Wörthersee-Architektur: Liebeserklärung an die Vergangenheit

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Der Wörthersee erzählt schon eine lange Geschichte aus Zeiten des Ruhms und der Ehre: In den Fünfzigern wiederentdeckt und wachgeküsst nach den Kriegsjahren, berühmt als österreichische Rivera in den Sechzigern, gebeutelt durch so manche Bausünde in den Siebzigern, aufgepumpt als hochpreisige Urlaubshochburg in den Achtzigern und dann bis heute begehrtes Spekulationsobjekt der Immobilientycoone. Ein wenig ist er abgeblättert, der Glanz, der Reich und Schön anlockte. Aber vielleicht ist gerade das der Grund, warum ich nach langer Pause meine Liebe zum leuchtend türkisen Wasser des Wörthersees wieder entdeckt habe – sein shabby Chic da und dort. Es ist wohl eine never ending lovestory, die mich verbindet.

Die heurige Fortsetzung fand statt in einem langen Wochenende in der Pension-Ria – traumhaft schöne sommerfrische Tage am Wörthersee. Eat, pray, love – und take a picture. So oder ähnlich könnte das Motto lauten, nach dem ich auf Fototour wandelte, entlang den nostalgisch historisch romantischen Bauten, die sich vereinzelt wie kostbare Säulen der Vergangenheit am Seeufer rekeln: Die Villen aus der Zeit der k&k-Monarchie Ende des 19. Jahrhunderts, im Mix aus Jugendstil und englischer Landhausarchitektur.

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Ich liebe die Wörthersee-Architektur. Prachtvolle Terrassen, verwinkelte Balkons, spitze Giebel, kokette Ecktürmchen, aufwendige Badehäuser, sonnige Loggien und noble Pavillons in kunstvoller Holzarbeit. Es war die Zeit, viele Jahrzehnte vor den roaring fifties, als erstmals der Tourismus das Licht der Welt am Wörthersee erblickte. Man flanierte, repräsentierte und promenierte. Das kleine Örtchen Pörtschach putzte sich damals durch den heimischen Platzhirschen Werzer zum mondänen Badekurort heraus. Um im Wettbewerb um Ansehen und Macht mit einem Porzellanfabrikanten zu gewinnen, finanzierte er eine prachtvolle Villa nach der anderen.

Architekturkenner orten deutsche wie italienische Renaissance, Historismus, goldenen Jugendstil ebenso wie englischen Landhausstil. Eine Mischung mit romantischem Ergebnis – verspielt, aber selten kitschig, weil authentisch und eigenständig. Und wenn sie nicht (so wie beispielsweise das alte Werzer Parkhotel) abgerissen oder heillos „modernisiert“ wurden, dann thronen sie heute noch, die Villen, Schlösser und Bootshäuser am Wörthersee. Sie sonnen sich hoffärtig im himmelblau glasklaren Wasser und kichern heimlich über die benachbarten Schickimicki-Refugien, die mit ebenso viel Geld, aber mit weit weniger Stil gebaut wurden.

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